Die meisten Pferde genesen von der Pferdestaupe vollständig und leicht. Im Ganzen nehmen, wie ich aus dem Verlauf bei 1700 Pferden berechne, 4 pOt. der Krankheitsfälle einen tödtlichen Ausgang. Bei dem letzteren können verschiedene Bedingungen betheiligt sein: grosse Virulenz des Contagiums, anstrengende Arbeit der Pferde während der Entwicke-lungszeit und im fieberhaften Stadium der Krankheit, unzweckmässige, niedrige oder schlecht ventilirte Stallungen, regnerische und neblige Witterung, sowie andere Einflüsse, welche die Athmungsfähigkeit des Blutes zu behindern vermögen. Die nächste Ursache des in dem spe-cifischen Stadium eintretenden Todes beruht in der Regel in der Herzlähmung. Zuweilen lässt sich der Tod auf die Lähmung der cerebralenFunctionen in Folge der starken Blutstauung nach dem Gehirn und der Infiltration in die Pia mater zurückführen.
Oomplicationen und Nachkrankheiten.
1) Lungenentzündung. Die fiberhafte Blutdyskrasie und die mit derselben verbundene unregelmässige Vertheilung des Blutes begünstigen die Ausbildung einer Lungenentzündung. Die Anhäufung des kranken Blutes in den Lungen kann so erheblich sein, dass sie als die nächste Ursache der Pneumonie gelten muss. In anderen Fällen verursacht vornehmlich die ungeeignete Anstrengung der Pferde die Entzündung in einer oder gleichzeitig in beiden Lungen. Auch ungünstige Witterungseinflüsse, namentlich rauhe Nord- und Ostwinde, bringen bei den kranken Pferden eine Reizung der Bronchialschleimhaut mit consecutiver Pneumonie leicht zu Stande. Weniger kann nach der Erfahrung der Aufenthalt in schlecht ventilirten Räumen als Ursache der Pneumonie beschuldigt werden. Die Entwickelung der als Oomplication der Pferdestaupe auftretenden Pneumonie vollzieht sich herdweise. In manchen Fällen entstehen nur einzelne Entzündungsherde, während nicht selten auch in beiden Lungen eine grössere Zahl von Herden zur Ausbildung kommt. Die Ausbreitung in den Lungen gestaltet sich ähnlich wie bei anderen Entzündungsprocessen. Auch kommt zuweilen eine Thrombosirung der Capillaren zu Stande und in einzelnen Fällen der grösseren Lungenvenen, so dass unter den Symptomen eine blutige Nasendejection sich bemerkbar macht. Im Uebrigen ist der anatomische Verlauf dieser Pneumonie wesentlich verschieden von der Brustseuche. Die Pleura erkrankt secundär zwar auch an einer fibrinösen Entzündung, aber es kommt doch niemals zur Ausscheidung einer grossen Quantität von Wasser in die Pleurasäcke. Gefährlich wird diese Pneumonie durch den Ausgang in Lungenbrand, wozu bei der eigen-thümlichen fieberhaften Gesammtaffection eine besondere Neigung besteht. Symptome der Pneumonie sind: hohe Pulsfrequenz, mangelhafte Futteraufnahme, beschleunigte Respiration, schmerzhafte Empfindung beim Druck gegen die Brustwandungen und die speciellen Ergebnisse der Auscultation und Percussion.
2) Durchfall. Häufig entsteht in dem specifischen Krankheitsstadium oder nach dem Aufhören des Fiebers heftiger Durchfall, durch welchen die Kräfte schnell sinken und die Thiere an der Futteraufnahme verhindert werden. Die Entstehung des Durchfalls ist zurückzuführen auf die Reizung der Magendarmschleimhaut, welche durch mit dem Blute circulirende Schädlichkeiten verursacht wird. Die Dauer des Durchfalls kann sich auf wenige Tage beschränken oder auf 2 Wochen unddarüber ausdehnen. Bei demselben mindert sich die schwere Störung des Herzens nicht und die Zahl der Pulse bleibt deshalb sehr hoch. Es kann auch neben dem Durchfall eine Lungenentzündung als Nachkrankheit der Pferdestaupe zugegen sein. Häufig besteht Mastdarmkatarrh und mit demselben Erschlaffung und Oeffnung des Afters.
Rh ehe. Mit der schweren Erkrankung an der Pferdestaupe entwickelt sich nicht selten am 3. bis 5. Krankheitstage eine Entzündung der Huflederhaut an den Vordergliedmassen, welche durch Blut-congestion und Infiltration verursacht wird, gewöhnlich aber einen günstigen Verlauf nimmt. Nachtheilig wird die Affection nur dadurch, | dass die Thiere nicht stehen können, und dass bei dem anhaltenden j Liegen die Circulations- und Athmungsorgane übermässig belastet werden. |
Kreuzlähmung. Nur in einzelnen Fällen sah ich die an der Pferdestaupe schwer erkrankten Thiere von einer Lähmung des Hinter-theils betroffen. Die Complication wird bedingt durch starke Blutstauung und Infiltration der Lenden- und Beckenmuskeln, sowie des Rückenmarkes. Bei dem Unvermögen der Thiere, zu stehen, ist diese Kreuzlähmung ungünstig zu beurtheilen, denn bevor eine Ausgleichung der pathologischen Zustände zu Stande kommen kann, erliegen die Thiere durch die übermässige Belastung des kleinen Kreislaufes und der Respiration dem Erstickungstode.
Abortus. Bei tragenden Stuten entsteht, wenn das fieberhafte Stadium mehr als 3 Tage anhält, leicht ein Abortus. Obwohl diese Complication die nachtheiligen Wirkungen der Krankheit auf die Ge-sammtconstitution erhöht, so involvirt dieselbe an sich doch keine erhebliche Lebensgefahr.
Starke Schwellungen derSubcutis an den Gliedmassen. Während eine .massige Schwellung der Gliedmassen zu den regelmässigen Bestandtheilen der Pferdestaupe gerechnet werden kann und sich nach dem Aufhören des Fiebers gewöhnlich von selbst zurückbildet, bleibt in anderen Fällen eine starke Schwellung 8 bis 14 Tage und darüber bestehen. Die mit chronischen Sehnen- und Gelenkkrankheiten an den Gliedmassen behafteten Pferde sind dieser Complication oft unterworfen. Solchen Pferden wird das anhaltende Stehen beschwerlich und sie gehen deshalb leicht zu Grunde. In einzelnen Fällen kann sich an den Hinter-füssen, wie bei der Brustseuche, die Entzündung auf die Vena saphena fortsetzen, so dass in der letzteren eine Thrombose eintritt. Diese Complication führt stets zum Tode.
Urticaria. Auf einer besonderen Intoxication scheint die Entwicklungsgeschichte der Urticaria bei der Pferdestaupe zu beruhen. Beimanchen Invasionen werden nur einzelne Pferde von derselben befallen; ich habe aber in einigen Beständen beobachtet, dass der grösste Theil der Pferde von der Urticaria betroffen war. In der Regel hat der Ausschlag nichts an sich, was ihn von der bei Pferden häufig vorkommenden Urticaria auszeichnen könnte. Oft habe ich aber gesehen, dass statt der grösseren, quaddelförmigen Pro tuberanzen auf der Haut nur kleine erbsen- bis haselnussgrosse, knötchenförmige Schwellungen zur Entwicklung kamen. Einen nachtheiligen Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat die Urticaria nicht.
8) Multiple Abscessbildung in der Haut. Bei Pferden, die an oberflächlichen Quetschungen der Haut leiden oder sich während der Krankheit leichte Verletzungen zuziehen, entstehen häufig lästige Eiterungs-processe in der Subcutis. So unerheblich diese Complication erscheint, so kann dieselbe doch die Gefahr des Krankheitsfalles bedeutend steigern, weil bei der fieberhaften Ernährungsstörung im Organismus nur schwer eine gesunde Granulation in den Hautdefecten eintritt und die allgemeine Schwäche der Thiere durch die Resorption der eiterig-jauchigen Krankheitsproducte sich nothwendig steigern muss.