Störungen der Harnsecretion. Während des fieberhaften Sta­diums Verringerung der Harnsecretion. Harn selbst concentrirt, reich an Harnstoff, Chlorverbindungen und kohlensaurem Kalk; oft eiweiss-haltig und reich an weissen Blutkörperchen, in einzelnen Fällen Hämo­globinurie mit chocoladenartiger Beschaffenheit des Harns.

Schwellung der äusseren Haut. Die Gliedmassen sind gewohnlich leicht, zuweilen aber erheblich geschwollen; nur in schweren Krankheitsfällen finden sich subcutane Infiltrationen an den Augenlidern, an den äusseren Geschlechtstheilen, am Brustbein und an den Lippen.


Verlauf und Ausgang.

Nach Ablauf der Incubationszeit des Contagiums vollzieht sich die Krankheitsentwickelung sehr schnell. 10—12 Stunden genügen zur vollständigen Ausbildung der wichtigsten Krankheitssymptome: Fieber, Pulsfrequenz, Infiltration der Oonjunctiva, Lichtscheu, Eingenom­menheit des Bewusstseins, Aufhören des Appetits, schwankende Körper­haltung. Bei regelmässigem Verlaufe und nicht schwerer Erkrankung bestehen die Symptome gleichmässig 3—4 Tage hindurch; sie verlieren sich dann gewöhnlich schnell, und insbesondere sinkt die Fiebertempe­ratur oft innerhalb 24 Stunden auf die Norm zurück. Nur eine leichte Pulsfrequenz erhält sich nicht selten noch mehrere Tage hindurch, und auch der Appetit bessert sich erst nach und nach wieder. Sehr häufig entsteht beim Nachlassen der Krankheitserscheinungen eine vermehrte Harnsecretion, wobei der Harn klar, speeifisch leicht und arm an Harn­stoff, Hippursäure, Salzen und aromatischen Bestandtheilen wird.

In schweren Fällen erlangen entweder sämmtliche Krankheitssymptome oder die Störungen der Blutcirculation, der Digestion oder des Bewusst­seins einen höheren Grad der Ausbildung. Die Pferde bekunden nicht selten Kolik und vorübergehend Durchfall. Mit Eintritt des letzteren verringert sich zuweilen die Störung in der Blutcirculation, und die Puls­frequenz kann in Folge dieses Einflusses um 10—20 Schläge in der Mi­nute sinken. Häufig beobachtet man auch, dass der Durchfall sich zu der Zeit einstellt, wenn der fieberhafte Process zum Aufhören kommt, und es erklärt sich hierdurch der frühere Brauch, dem Durchfall eine kritische Beziehung zu dem Fieber beizulegen. Es ist im Allgemeinen nicht günstig, wenn unabhängig von der etwaigen Medication und länger als einen Tag hindurch dünnflüssige Excremente entleert werden.

Mitunter ist die Erkrankung so geringfügig, dass nur an 2 Tagen eine fieberhafte Temperaturerhöhung, Verminderung der Futteraufnahme, leichte Pulsfrequenz und ödematöse Infiltration der Oonjunctiva zu be­merken sind. Von Laien wird zuweilen die in einem so niedrigen Grade auftretende Pferdestaupe ganz übersehen.

Das Convalescenzstadium verhält sich ungleich. Pferde von guter Constitution erholen sich nach einer leichten Erkrankung innerhalb 2 bis 3 Tagen, nach schwerer Erkrankung in 8—12 Ta'gen. Bei manchen Pferden, die in einem mittleren Grade an der Pferdestaupe litten, dauert die Convalescenz 2—3 Wochen und darüber. In dem Convalenscenz-stadium findet sich bei den Pferden noch eine Zeitlang die ödematöse(wässerige oder glasige) Infiltration der Augenschleimhaut. Die Secretion der Verdauungssäfte ist unvollständig, so dass die Thiere nur wenig Futter verzehren können und namentlich das minder schmackhafte Futter nur zum Theil annehmen wollen. Je vollständiger die Futteraufnahme ist, um so leichter kommt die Restitution der Organe und mit derselben die Genesung zu Stande. Von praktischer Bedeutung ist die Thatsache, dass die Pferde im Convalescenzstadium sich sehr leicht mit Nachkrankheiten, namentlich mit einer Lungenentzündung behaften, wenn sie nicht vor den nachtheiligen Wirkungen des unzweckmässigen Gebrauches und der Witte­rung geschützt werden.

Durch die excessive Ausbildung einzelner Bestandtheile erlangt die Krankheit einen unregelmässigen Verlauf. Starke parenchymatöse De­generation (Lähmung) des Herzfleisches gefährdet das Leben in hohem Grade und ist immer die Ursache einer längeren Verzögerung der Con-valescenz. Seltener veranlasst der schwere Congestivzustand im Gehirn eine Unregelmässigkeit im Krankheitsverlauf. Die Thiere zeigen hierbei Unaufmerksamkeit, schlaffe Haltung der Ohren, der Gesichts- und Lippen­muskeln, Lichtscheu, Thränen der Augen und Aufstützen des Kopfes; in einzelnen Fällen krankhaftes Vorwärtsdrängen wie bei subacuter Lepto-meningitis. Dieser Zustand, bei welchem die Herzaffection stets einen hohen Grad besitzt, involvirt immer eine gewisse Gefahr, und es verzögert sich, auch wenn der Ausgang noch günstig bleibt, die Convalescenz meist um 3—4 Wochen.

Die Entwickelung eines erysipelatösen Schwellungszustandes in der Kehlkopfschleimhaut kann inspiratorische Dyspnoe mit lautem Laryngeal-geräusch veranlassen und den-sonst gleichmässigen Krankheitsverlauf un­regelmässig gestalten. Zuweilen verliert sich die Schwellung mit dem giemenden Athmungsgeräusch schon nach wenigen Stunden, oft dauert der Zustand 1—2 Tage und selbst noch länger.