mit der Rückübersetzung der „Influenza erysipelatosa" in „Rothlaufseuche" angeeignet. Abgesehen davon, dass die Rückübersetzung incorrect ist, so entspricht auch die Natur der Pferdestaupe dem pathologischen Begriff des Rothlauf nicht. Der Name der Rothlaufseuche ist deshalb ganz ungeeignet.
Als lateinische Bezeichnung der Pferdestaupe wähle ich in diesem Lehrbuch das Wort „Leuma", welches der bei den griechischen Hippiatern gebräuchlichen Benennung einer Pferdeseuche ($ Xolfaj = Seuche) nachgebildet ist.
Aetiologie. Die Pferdestaupe ist eine nur aus Ansteckung entstehende und sich ausserordentlich leicht durch den Handel und Geschäftsverkehr mit Pferden verbreitende, acut verlaufende und fieberhafte Krankheit. Das Contagium ist nicht näher bekannt. Im Blut der kranken Pferde habe ich pflanzliche Mikroorganismen nicht nachzuweisen vermocht. Wohl aber konnte ich durch subcutane und intravenöse Injectionen des warmen Blutes der kranken Pferde die Seuche auf gesunde Pferde übertragen. Esel und Maulthiere unterliegen nach den in Prankreich gemachten Beobachtungen der Einwirkung des Contagiums in gleichem Grade, wie die Pferde. Aber bei anderen Thieren oder beim Menschen ist niemals eine Ansteckung mit dem Pferdestaupe-Contagium beobachtet worden. Der Ansteckungsstoff haftet vorzugsweise an der exspirirten Luft der kranken und in der Convalescenz stehenden Pferde. Wahrscheinlich können auch die Darmexcremente, der Urin und etwaige kranke Ausflüsse der mit der Pferdestaupe behafteten Thiere als Vehikel des Contagiums dienen und mittelbar eine Infection veranlassen. Die meisten Pferde behaften sich mit dem Ansteckungsstoff dadurch, dass sie (in den Ställen, auf Märkten, bei der Arbeit, in den ßeschlag-schmieden u. s. w.) mit kranken Pferden in nahe Berührung kommen. Relativ leicht erfolgt auch die Ansteckung durch Verraittelung von Personen, welche das Contagium in ihren Kleidern von den kranken Pferden mitnehmen und innerhalb der nächsten halben Stunde mit gesunden Pferden zu thun haben. Auch in den Stallräumen, in welchen kranke Pferde standen, kann der Ansteckungsstoff einige Tage hindurch an der Streu, der Krippe oder an den Wänden haften bleiben und bei gesunden Pferden eine Erkrankung herbeiführen. — Die Pferde, welche die Seuche überstanden haben, erkranken nur in Ausnahmefällen zum zweiten Mal an derselben. Der Regel nach gewährt die einmalige Affec-tion eine Immunität für die ganze Lebenszeit.
Pathogenese. Mit der Inspirationsluft gelangt das Contagium in die Athmungsorgane. von welchen es durch Resorption direct in das Blut übergeht. In letzterem findet es muthmasslich die Bedingungen seiner Fortentwickelung. Es vergehen 5—7 Tage, bevor die Ausbildung des Contagiums im Blute so weit fortgeschritten ist, dass die inficirten Pferdesichtbar in die Krankheit verfallen. Das Blut bildet den Mittelpunkt für die Einleitung der weiteren Störungen. Es erlangt eine dunkle Farbe und zeigt bei der mikroskopischen Untersuchung eine starke Vermehrung der weissen Blutkörperchen und der Elementarkörnchen. Das während der Krankheit aus der Ader entnommene Blut gerinnt etwas langsamer, aber ebenso vollständig wie gesundes Pferdeblut. Aus der dunklen Beschaffenheit und dem sonstigen Verhalten des Blutes ergiebt sich, dass während der Krankheit rothe Blutkörperchen in abnorm grosser Zahl zu Grunde dehen. Die specifischen Schädlichkeiten, welche das Blut enthält, haben eine pathogene Wirkung auf die nervösen Apparate, das Herz, die Respirationsschleimhaut, die Bindehaut der Augen, die Digestionsschleimhaut und das Unterhautgewebe. Weniger erheblich sind Nieren, Milz und andere Organe von dem Contagium der Pferdestaupe afficirt. — Die Wirkung auf die nervösen Apparate spricht sich zunächst aus durch die fieberhafte Erhöhung der Körpertemperatur und durch die ungleiche Vertheilung des Blutes in den Gefässbahnen. Es entstehen bald in dem einen, bald in dem anderen Organe und bei schweren Krankheitsfällen in einer grösseren Zahl von Organen starke Blutstauungen mit ihren Folgezuständen. Durch die letzteren werden die parenchymatösen Reizungsvorgänge oft bedeutend gesteigert. Am Gehirn entwickelt sich eine erhebliche Congestion und in schweren Krankheitsfällen eine Infiltration der Pia mater mit gelblichem Serum. Die Infiltration erstreckt sich oft bis in die Retina der Augen (J. Peters). Ausnahmsweise ist der Blutdruck so bedeutend, dass auch Serum in die Grosshirn-Ventrikel tritt. Aber ich habe nie beobachtet, dass aus dieser Transsudation der Hydro-cephalus chronicus entstanden wäre. In einem letal verlaufenden Krankheitsfalle constatirte ich eine Extravasation von dunklem, flüssigem Blut in die Pia mater am verlängerten Mark, dem kleinen Gehirn und an der Con-vexität der Grosshirnlappen. Die Hämorrhagie findet in einer durch den starken Blutdruck herbeigeführten Ruptur einer kleinen Vene ihre Erklärung. Das Rückenmark ist für gewöhnlich bei der Pferdestaupe nicht erkrankt. In Ausnahmefällen entsteht indess auch hier eine starke Blut-congestion mit Infiltration der Pia mater spinalis und Ausscheidung von Flüssigkeit in den Raum zwischen Pia und Dura. - In schweren Fällen kommen zuweilen Lähmungen der Gesichts- und Lippenmuskeln, des Sphincter ani und ganz ausnahmsweise auch des Sphincter vesicae zur Ausbildung.
Constant wird das Herz von einer parenchymatösen Schwellung und Trübung des Muskelparenchyms betroffen. In den Herzbeutel transsudirt eine gelbliche, fibrinogenhaltige Flüssigkeit, deren Quantität in schwerenFällen bis 1 Liter und darüber betragen kann. Bei der in geringem Grade auftretenden Krankheit ist die Congestion nach dem Herzbeutel so unbedeutend, dass kaum 50 Grm. oder noch weniger Serum in das Pericardium abgeschieden wird. Gegen Ende der tödtlich verlaufenden Krankheitsfälle bilden sich an der Oberfläche des Herzens und am Endo-cardium, besonders an den Papillarmuskeln kleinere und grössere Blut-unterlaufngen. Die Kespirationsschleimhaut wird in vielen Fällen nur ganz oberflächlich afficirt. Oft aber entsteht eine krankhafte Secretion von wässerigem oder auch von grauweissem, zähem Schleim. Die Affection betrifft bald mehr den Kehlkopf, bald mehr die Bronchialschleimhaut oder die Nasenschleimhaut. In schweren Fällen entsteht eine starke Blutcongestion, und die Schleimhaut schwillt durch Infiltration mit gelblichem Serum an; es kann die Intumescenz am Kehlkopf so bedeutend sein, dass das Athmen dyspnoisch und mit hörbarem Inspirationsgeräusch erfolgt. Der Affection der Nasenschleimhaut folgt sehr oft eine bald nur geringfügige, bald wallnuss- bis hühnereigrosse, ziemlich derbe und schmerzhafte Schwellung der submaxillaren Lymphdrüsen, die aber — abgesehen von den seltenen Ausnahmefällen einer Mischinfection der Pferdestaupe mit einem eiterigen Katarrh — niemals zur Abscessbildung führt.
In der Augenschleimhaut entsteht eine Congestion, die sehr oft so bedeutend ist, dass die kleinen Gefässe auf der Sclera sich mit dunklem Blute stark anfüllen. Abgesehen von den ganz geringen Graden der Krankheit erleidet die Oonjunctiva palpebrarum constant eine ödematöse Schwellung. Bei schwerer Affection tritt die geschwollene Conjunctiva durch die Augenlidspalte hervor; sie ist oft glasig geschwollen, namentlich in der Falte, welche zwischen Blinzknorpel und Bulbus liegt. Zuweilen erlangt die Oonjunctiva an den Lidern eine mattrothe Färbung und an der Sclera eine gelbliche oder wässerige Infiltration. Der krankhafte Zustand kann sich auf die Cornea und auf die Iris fortsetzen und eine Ruptur mit hämorrhagischem Erguss in die vordere Augenkammer herbeiführen.
Die Digestionsschleimhaut wird oft in ihrer ganzen Ausdehnung von einer starken Blutcongestion und Infiltration betroffen. Selten ist die Affection der Maulschleimhaut so bedeutend, dass in dieser -eine ödematöse Schwellung zu Stande kommt. Dagegen bildet sich oft auf dem Zungenrücken ein mehr oder minder deutlicher, epithelialer Belag. Die Magen- und Darmschleimhaut erleidet bald eine geringfügige, bald eine erhebliche Schwellung, welche sich bei schwerer Affection auch auf die Submuco'sa ausdehnt. Hierbei schwellen die Mesenterialdrüsen an und es ergiesst sich gelbliches, fibrinogenhaltiges Transsudat in das lockere Bindegewebe des Mesenteriums, sowie in die Bauchhöhle.
Das Unterhautgewebe erleidet eine starke Congestion und Infiltration nicht constant. Am meisten werden die Gliedmassen, seltener der Kopf, der Bauch und die äusseren Geschlechtstheile von derselben betroffen. Zuweilen entsteht auch an den Aponeurosen die gleiche Affection und in 2 Fällen sah ich, dass der Entzündungsprocess auf die Vena saphena sich verbreitete und in derselben eine Thrombose veranlasste.
Die Lungen und die Pleura sind häufig der Sitz einer schweren Congestion, so dass sich die Gefässe in der Pleura stark erweitern und mit dunklem Blute füllen. In Folge des gesteigerten Blutdruckes trans-sudirt bei schwerer Erkrankung eine gelbliche, klare oder leicht getrübte, fibrinogenhaltige Flüssigkeit.
In den Nieren entstehen ausser der Congestion und leichten Schwellung keine materiellen Veränderungen. Nur einmal habe ich beobachtet, dass in Folge starker Blutcongestion eine Gefässruptur in den Nieren mit erheblicher Hämaturie entstand.